2014 feiert die Steinheimer Realschule ihr 150-jähriges Jubiläum

„400 Reichstaler für den Schulleiter“

Das Jahr 2014 wird für die Städtische Realschule Steinheim ein ganz besonderes, denn die Schule kann im kommenden Jahr ihr 150-jähriges Bestehen und damit ein außerordentliches Jubiläum feiern. In diesem Beitrag geht es um den 1. Oktober 1864, dem Gründungsdatum einer Rektoratsschule, die als Vorläufer der Realschule in der Emmerstadt zu sehen ist. Bei der Realschule Steinheim dürfte es sich damit um eine der ältesten Realschulen in ganz Nordrhein-Westfalen handeln.
Im Rahmen einer Firmungsreise 1863 hatte der Paderborner Weihbischof Joseph Freusberg auch Steinheim besucht. Der Magistrat trug ihm dabei den Plan zur Errichtung einer weiterführenden Schule vor. Freusberg nahm dies als Auftrag mit nach Paderborn und versprach, die Sache dem Bischof Dr. Konrad Martin zu empfehlen. Martin war nach seiner Priesterweihe im Schuldienst in Köln gewesen. Für das Steinheimer Anliegen hatte er ein offenes Ohr.
Zur Begründung für eine weiterführende Schule führte der Pfarrer Wilhelm Brinkmann drei Gründe an. Es gab in Steinheim Familien, die für ihre Kinder einen über die Elementarschule hinaus gehenden Unterricht wünschten, wie es durch die aus Marienmünster tätigen Patres bis zur Auflösung des Klosters 1803 möglich war. Weltliche Kapläne haben diese Tradition später aufgegriffen und Schüler im Privatunterricht betreut. Ein Elementarlehrer Hasse gab Privatunterricht in Latein und Französisch, was ihm von der preußischen Regierung in Minden aber untersagt wurde: ihm fehlte dafür die erforderliche Qualifikation. Steinheimer Eltern, die ihren Söhnen (es ging nur um Jungen) eine höhere Bildung angedeihen lassen wollten, wären gezwungen gewesen, sie früh aus dem Elternhaus zu entlassen, was dem meisten finanziell gar nicht möglich war.
Der zweite Grund für die Errichtung einer Rektoratsschule und die Besetzung der Schulleiterstelle durch einen Geistlichen war die seelsorgerische Situation. Die Stadt war stark gewachsen, der Pfarrer mit seinem Kaplan war nicht nur für die Stadtpfarrkirche, sondern auch die beiden Filialen in Ottenhausen und Rolfzen zuständig. „Alleine an den Festtagen zu Ostern und Weihnachten kamen mehr als 300 Kommunikanten und an den Beichtstühlen gab es lange Warteschlangen,“ heißt es in den Archiven. Der dritte Grund war besonders nachhaltig: die Bereitschaft der Stadt, dem geistlichen Schulleiter ein Jahresgehalt von 400 Talern zu bezahlen. Einen Teil dieser Summe hoffte man durch das Schulgeld wieder herein zu holen. Die Stadt wollte zudem einen Schulraum stellen und unterhalten.
Nach Klärung sämtlicher finanzieller und sachlicher Voraussetzungen trat die Stadt an den Paderborner Bischof heran, einem Geistlichen die Rektoratsschule zu übertragen. „Er sollte ein tüchtiger Lehrer sein und es verstehen, Knaben in wissenschaftlichen Lehrgegenständen zu unterrichten,“ ist in den Chroniken zu lesen. Durch den Dienst in der allgemeinen Seelsorge sollte der künftige Rektor der Schule jedoch nicht entzogen werden. Der Bischof erklärte sich zur Entsendung eines geeigneten Geistlichen bereit, allerdings mit der Verpflichtung, an Werktagen insbesondere für Schüler eine Heilige Messe zu lesen.
Letzter Schritt vor der Gründung einer Rektoratschule war deren Genehmigung durch die Königliche Regierung in Minden. Als die grünes Licht gegeben hat, wurde das Schulgeld auf jährlich 15 Taler festgesetzt. Erster Lehrer und Schulleiter wurde der Vikar Parensen aus Lügde. Er hatte am 27. und 28. Juli vor der königlichen Prüfungskommission in Büren das Examen „pro schola“ abgelegt. In einem Bericht heißt es über den 1. Oktober 1864: „Heute fand hier die Einführung des für die neu gegründete Rektoratsschule ernannten Rektors Vikar Thomas Parensen statt. Nach einem durch denselben gehaltenen feierlichen Gottesdienst wurde der Rektor von dem durch den Dechanten beauftragten Pfarrer Brinkmann, durch Mitglieder des Magistrats und des Stadtverordneten Kollegiums zum Lokal der Rektoratsschule geleitet, in dem sich die angemeldeten Schüler versammelt hatten.“
Hier gab es Ansprachen, Erlasse wurden verlesen, am Schluss brachen die Anwesenden in ein dreimaliges Hoch auf König Wilhelm I. aus. Alle 23 Schüler der neuen Schule sind namentlich aufgelistet. Der Unterricht war verteilt auf vormittags und nachmittags. Zum „Lectionsplan“ gehörten Weltgeschichte, Katechismus, Biblische Geschichte, Lateinische Grammatik, Mathematik, Geographie, Französisch, Schönschreiben, Naturgeschichte und Naturlehre, Gesang, Denk- und Stylübungen, Correctur des deutschen Aufsatzes, Deutsche Sprachlehre nebst Übungen im Rechtschreiben.
Der erste provisorische Schulraum befand sich im so genannten Kleinschmidtschen Haus an der Detmolder Straße. Noch im laufenden Schuljahr erfolgte der Umzug in das Krankenhaus. Ein Jahr später wird der Schulraum in das Sitzungszimmer der Stadtverordnetenversammlung im Rathaus und ein weiteres Jahr danach in das Magistratsbüro verlegt.


Schüler um 1915 mit Mütze: jede Klasse hatte ein Mützenband mit einer besonderen Farbe. Die Nachbarn konnten so kontrollieren, ob ein Schüler versetzt war.

1864 war die neue gegründete Rektoratsschule im so genannten Kleinschmidtschen Haus untergebracht. Noch im ersten Schuljahr wurde das Schullokal in das Krankenhaus verlegt.

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