„Berlin ist eine Reise wert!" Der Ausspruch ist zwar bekannt, aber längst nicht abgegriffen wie die Klasse 10a der Realschule Steinheim auf ihrer Klassenfahrt feststellte. Eine Woche lang hielten sich die Schüler in der deutschen Hauptstadt auf und erlebten dabei nicht nur viele Facetten einer pulsierenden Metropole, sondern gewannen wertvolle Einblicke in das politische Zentrum der Bundesrepublik wie in die Geschichte der Stadt. Beeindruckend war schon die Ankunft mit dem ICE im neuen Hauptbahnhof mit seiner imposanten Architektur, dem früheren Lehrter Bahnhof, der in Blickweite zum Reichstag auf mehreren Ebenen eine wichtige Drehscheibe des Fern- und des Nahverkehrs einnimmt.
Ein ganzer Tag gehörte in Berlin der „Politik", mit einem Besuch im Verteidigungsministerium, wo die Schüler hautnah über die aktuelle politische Situation informiert wurden, bei der es um den Libanoneinsatz der Bundesmarine ging, über den der Bundestag noch in der gleichen Woche abstimmte. Mit einem dunklen Stück der Geschichte sahen sich die Schüler gleich neben dem Verteidigungsministerium im Bendlerblock konfrontiert, wo am 20. Juli 1944 die Verschwörer gegen Hitler mit dem Grafen Stauffenberg an der Spitze erschossen wurden. Ein Gang durch die Ausstellung rief die wichtigsten Ereignisse des Attentats in Erinnerung, aber auch die Unterdrückungsmaschinerie der Nazidiktatur. Mit einer Informationsveranstaltung beim Bundestagsabgeordneten Jürgen Herrmann begann der Besuch im Reichstag, dem sich eine Führung durch die Kuppel mit herrlichem Blick über das abendliche Berlin anschloss. Beeindruckend für die Schüler waren die Sicherheitsschecks, die sie beim Betreten des Reichstages „über sich ergehen lassen mussten". GZSZ lautet das Kürzel für eine der erfolgreichsten Soaps im Fernsehen. Im Filmstudio Babelsberg konnten die Realschüler einen Blick hinter die Kulissen eines bedeutenden Filmstudios machen und dabei die Dreharbeiten für die Serie „Gute Zeiten - schlechte Zeiten" erleben, aber auch weitere Beispiele bekannter Filme und Fernsehsendungen hautnah erleben. Von Babelsberg ging es weiter nach Potsdam zum Schloss Sanssouci, dem Alterssitz Friedrich des Großen. Hier schloss ein Spaziergang durch die großzügige Parkanlage einen anstrengenden Tag ab. Ruhiger ging es bei der Fahrt mit einem der Besichtigungsboote auf der Spree ab, wo es dennoch viel zu sehen gab von Berlin, vorbei am Bundeskanzleramt, an der Museumsinsel, dem Alexanderplatz bis in den Ostteil der Stadt und auf Kanälen durch mehrere Schleusen wieder zurück. Zu Fuß wurde der Stadtteil Kreuzberg erkundet, aber auch der pompöse Potsdamerplatz, der Alexanderplatz mit seinem Fernsehturm, vorbei am Dom und dem im Abriss begriffenen Palast der Republik die Straße unter den Linden sowie das Muss eines Berlin Aufenthaltes, das Brandenburger Tor und das große KaDeWeKaufhaus. Bei ihren Fahrten mit der U-und SBahn blieben den Schülern aus Steinheim auch nicht die dunklen Seiten Berlins verborgen, die im Umfeld der S-Bahnhöfe, speziell am Zoologischen Garten nach wie vor vorhanden sind. Dass Berlin eine vielhundertjährige Geschichte hat, das gab es in der Ausstellung „Story of Berlin" zu sehen, zu der auch ein Atomschutzbunker gehörte, der in beklemmender Weise an die Zeit des kalten Krieges erinnerte.